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Gräbt TESLA den Grünheidern wirklich das Wasser ab?

Autor: Thomas Wötzel

Faktencheck zu Tesla-Demos in Grünheide

Ein Hinweis am Anfang, die nachfolgenden Inhalte sind keine fachliche Stellungnahme einer Behörde sondern Ergebnis eigener Recherchen. Um die Diskussion zum Thema Tesla auf eine sachliche Ebene zurück zu bringen, war es dem Autor wichtiger schnell zur reagieren, als im Detail fachliche Rückmeldungen abzuwarten.

Frage 1: Gibt es auf der geplanten Baufläche ein Wasserschutzgebiet und darf dort gebaut werden?

Ja, ein Teil der Fläche ist durch die am 21.03.2019 veröffentliche Verordnung zum Wasseschutzgebiet erklärt worden. Damit wird das Wassergewinnungsgebiet des Wasserwerkes Erkner (Wasserfassung Neu Zittauer und Hohenbinder Straße ) erweitert.  Die Verordnung legt neben der geografischen Lage auch die Einteilung in Schutzzonen fest und definiert jeweils Verbotslisten.

Der Schwerpunkt liegt auf Einschränkungen der landwirtschaftlichen Nutzung und Tierhaltung, da diese als größter Verbraucher von Wasser einen Großteil der Niederschläge dem Boden entzieht und darüber hinaus mit Düngung, Silage und Jauche die Wasserqualität negativ beeinflusst.

Interessant sind die Punkte 17 und 18 aus §3 Schutz der Zone III B:

Faktencheck 1:
Die Waldumwandlung und die Bebauung ist rechtlich zulässig, da der Bebauungsplan aus dem Jahr 2001 rechtskräftig ist. Es ist aber zu erwarten, dass Auflagen zur Bauausführung in Trinkwasserschutzgebieten durch die Behörde festgelegt werden.

Frage 2: Gefährdet die Bebauung die Trinkwasserversorgung der Region?

Die aktuelle Diskussion um das Thema Wasser kommt eher aus einem Verständnisproblem. Der Investor beschreibt im Bauantrag die Wassermenge, welche er von den Wasserver- und entsorgern bereitgestellt bzw, abgenommen  haben möchte. Die Wasserver- und entsorger  prüfen nun ob dies möglich ist und geben eine Rückmeldung. Der WSE hat nun bekannt gegeben, dass die gewünschte Menge nicht zur Verfügung steht, sodass der Investor nun Alternativen suchen muss:

Aufgabe A: Wasserverbrauch reduzieren

Die in der UVP gennannten 372m³/h stellen den Wasserverbedarf der Fabrik dar. Ob Löschwasser schon inklusive ist, geht aus den Unterlagen nicht eindeutig hervor.

Wieviel Wasser im laufenden Betrieb verbraucht wird, hängt auch von der verwendeten Kühltechnik ab. Aktuell geht eine große Menge Prozesswasser nur durch die geplanten Kühltürme verloren (107 m³/h). Geschlossene Kühlkreislaufsysteme sind zwar teurer, aber stellen eine technische Alternative da. Jetzt sollte jeder Produktionsschritt überprüft werden, um den Verbrauch des Prozesswassers zu reduzieren. Genauso kann das Brandschutzkonzept auch die Möglichkeit einer lokalen Löschwasserversorgung in eigenen Speichern vorsehen.

Aufgabe B: Regenwassermanagement und Abwasseraufbereitung

 


Die bisher auf der Fläche von 150 ha stehende Kieferplantage verbraucht durch Interzeption (Verdunstung) jährlich eine große Menge Wasser. Auf Flächen welche zur Wassergewinnung in Schutzgebiete eingeteilt werden ist eine Erstaufforstung mit Nadelbaumarten oder Robinien sogar verboten.

Inwieweit durch das Auffangen von Regenwasser und das Aufbereiten von Abwasser zusätzliche Einspareffekte erreicht werden, muss nun untersucht werden. 

Im Antrag steht auch eine Abwasserbehandlung, welche vor allem zur Vorbehandlung  des Abwassers vor Einleitung in die Netze der WSE dienen soll. Ob eine Abwasserdruckleitung mit Pumpwerk zur Überleitung in das KW Münchehofe der BWB vorhanden ist muss geklärt werden.

Die Errichtung von Brunnen auf dem Gelände, außerhalb des Wasserschutzgebietes ist auch Gegenstand des Antrages. Sachkundige weisen aber bereits jetzt darauf hin, dass die Fläche zur Wassergewinnung problematisch ist, da durch eine eiszeitliche Rinnenbildung eine Wasserscheide das Gebiet durchkreuzt, Verbindungen zwischen den 1. und 2. Grundwasserleitern bestehen und die Abdeckung des versalzten Tiefenwassers perforiert ist.

Aufgabe C: Wasserlieferung durch alternative Wasserversorger und  Wasserwerke prüfen

Wenn ein Wasserverband nicht liefern kann, fragt man bei dem nächsten an. So erläuterte ein mit den Planungsunterlagen beauftragter Experte im Tesla Informationsbüro. Das sei aber nicht Aufgabe von Tesla, sondern würde das laufende Verfahren des Bauantrages ergeben.
Das Wasserwerk Berlin Friedrichshagen, könnte hier eine Alternative sein. Berichtet wird, dass im Wasserwerk Friedrichshagen noch zu DDR Zeiten deutlich größere Wassermengen zur Verfügung gestellt wurden, da die damals noch zahlreichen Industriebetriebe in Berlin beliefert werden mussten. Es gibt keine Probleme bei der Wassermenge, wohl aber bei der Wasserqualität einzelner Brunnengalerien, da die qualitativen  Anforderungen an das Nahrungsmittel Wasser sehr hoch sind und die Gefahr aufsteigenden Salzwassers besteht.  Eine Trennung in Prozesswasser und Trinkwasser sowie eine Druckleitung und ein Pumpwerk vom Wasserwerk Friedrichshagen müsste geprüft werden.

Eine weitere Option kann die Verwendung von Prozesswasser aus den Pumpwerken der Tagebaue Herzfelde und Rüdersdorf sein, welches dort ungenutzt bleibt. Aus dieser Region  kam auch der Hinweis auf überschüssige Wärmeleistung, welche das Zementwerk Rüdersdorf bietet.

Aufgabe D: Bau eines eigenen Tesla-Wasserwerkes prüfen

Aus den Erinnerungen eines Projektleiters der Berliner Wasserbetriebe gab es bis 1989 bereits umfangreiche hydrogeologische Erkundungen für den Bau einer Brunnengalerie in der Nähe des geplanten Tesla Geländes. Diese Option könnte sowohl die Kapazitätsprobleme des WSE, den steigenden Bedarf durch weitere Ansiedlungen und die Versorgung von Tesla lösen. Natürlich ist dies durch die Fachbehörden angesichts sinkender Niederschläge und damit verbundener Wasserführungen der Müggelspree zu überprüfen.

Faktencheck 2:
Nein, die Wasserversorgung ist durch TESLA nicht gefährdet, denn es darf erst eine Bewilligung ausgestellt werden, wenn die Auswirkungen auf die umweltrelevanten Belange geklärt sind. Der Mensch ist in diesem Verfahren auch ein „Schutzgut“, sodass die Beachtung der Auswirkung auf Wasser, Abfall, Immission usw. Bestandteil des Verfahrens sind.

Der Ball liegt jetzt bei TESLA

Es ist nun Aufgabe von Tesla, die Alternativen abzuwägen und in die Bauplanungen einzuarbeiten. Da der im Versorgungsgebiet ansässige Wasser- und Abwasserentsogungsverband weder die Versorgung mit Trinkwasser noch die Entsorgung des Abwassers in Menge und Zeit realisieren kann, sind die Länder Berlin und Brandenburg angehalten, sowohl die Ressourcen als auch die Kapazitäten  mit anderen Ver- und entsorgungsunternehmen zu verhandeln. Tesla muss die Kosten tragen, damit der Steuerzahler und die örtlichen Wasserkunden nicht  dafür bezahlen.

Fraktion bürgerbündnis-FDP fordert einen „Kommunikationsfahrplan“ vom Bürgermeister

Eine überspitzte Darstellung des Problems sorgt nur für Spaltung und Angstmacherei. Hier ist auch nicht hilfreich, dass begründete Bedenken von Verantwortlichen als „Retourkutsche“ abgetan werden. Jetzt kommt es darauf an, dass zwischen Begeisterung und Ängsten der Mittelweg gefunden wird.

Dies gelingt nur mit Transparenz und Information – Grünheide kann mehr.


20. Januar 2020

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